Entstehung und Entwicklung unseres Vereines

Durch zwei Weltkriege und die Wirren der Nachkriegszeiten sind viele Vereinsunterlagen verschwunden und es sind einige Lücken entstanden. Aber aus einer gefundenen Einladung zur 1.Generalversammlung im März 1908 läßt sich klar erkennen, dass der Obst u. Gartenbauverein Burgebrach 1907 gegründet wurde und sein erster Vorsitzender Johann Gerber war Hauptlehrer. Die Gründungsmitglieder sind nicht mehr bekannt, aber die Ursachen für die Gründung des Vereins waren sehr vielfältig in der damaligen Zeit verankert. Deutschland lag voll im wirtschaftlichen Aufschwung. Die Industrie verdiente viel und die Stadtbevölkerung hatte genügend Geld zum Einkaufen. Die grundsätzliche Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit der Menschen wurde erkannt und es entstand ein erheblicher Bedarf an Obst und Gemüse. Der Staat selbst gründete Schulen für den Gartenbau und legte Versuchsflächen in ganz Bayern an. In Oberfranken war dies die Versuchs- und Lehrwirtschaft für Obst und Gartenbau in Bamberg (1902). In der Landwirtschaftsschule wurde Obst und Gemüsebau unterrichtet und es war selbstverständlich, dass man versuchte durch Gründung von Vereinen das vorhandene Fachwissen zu vertiefen, zu erweitern und auf weitere Teile der Bevölkerung auszudehnen.

 

Förderlich waren sicherlich die kleinstrukturierten Betriebe mit ihren Arbeitskräften, die neuen Möglichkeiten des Transports (Eisenbahn) und der Bedarf in den Städten bei vorhandener Kaufkraft. Also eine Situation um einen Verein zu gründen, damit man am Wohlstand teilnehmen konnte. Der Verein war hier ein Mittel zum wirtschaftlichen Erfolg. Das Ziel war zuerst das fachliche Wissen für Obst- und Gemüsebau zu vermitteln , damit ein erfolgreicher Anbau stattfinden konnte. Durch diese Bündelung im Verein konnten sich die Bürger selbst helfen und der Verein war ein Multiplikator für die Schule und die Beratung. Dass ein Lehrer Gründungsvorsitzender wurde, war selbstverständlich, denn vom fachlichen war Landwirtschaft, Obst- und Gemüsebau Bestandteil des Unterrichts. Um diese Zeit musste ein Volksschullehrer neben der Beherrschung der Geige auch die Veredlung von Obstgehölzen können. Der wirtschaftliche Zweck stand also am Anfang im Vordergrund, aber auch die eigene gesunde Ernährung war sehr wichtig, denn es gab ja keinen Supermarkt an der Ecke, wo man Obst und Gemüse aus der ganzen Welt und zu jeder Zeit kaufen konnte.

 

Es folgerten aus dem Anbau fachliche Fragen der Verarbeitung und der Lagerung. Um diese Zeit gab es auch in den fachlichen Bereichen des Gartenbaus viele Neuerungen, wie die Zusammenhänge der Pflanzennährstoffe (LIEBIG); die neuen industriellen Düngemittel(NPK) und die ersten chemischen Pflanzenschutzmittel. Dazu kam der systematische Austausch von neuen Obstsorten aus ganz Europa. Man kann sagen, es war eine Zeit des Umbruchs im fachlichen Wissen und es folgte ja dann der politische Umbruch.

Ein Einzelner war hier zu schwach, aber im Verein konnte man viel bewegen, Wissen austauschen, Vorträge organisieren und Musterpflanzungen anlegen.Es sind aus den Anfangsjahren zwar keine Zahlen über den Mitgliederstand vorhanden, aber es wurden im Gründungsjahr bereits 2 Leute aus Burgebrach, nämlich Herr Georg Lunz und Herr Georg Schäfer nach Bamberg zur Baumwärterausbildung an die Versuchs- und Lehrwirtschaft geschickt. Man legte also im Verein von vornherein Wert auf solide fachliche Arbeit. Die Baumwärter wurden regelmäßig in Bamberg nachgeschult und immer auf den neuesten Stand gebracht. Das Prinzip dieser Schulungen war immer gleich, halb Theorie halb Praxis. Sie wussten nicht nur wie es geht, sondern auch warum es so gemacht werden muß. Diese Baumwärter standen dann den Vereinsmitgliedern gegen geringes Entgelt von 30 Pfennigen/Stunde bevorzugt zur Verfügung.

Auffällig beim Obst- und Gartenbauverein Burgebrach war die Struktur mit Obmännern in den einzelnen Ortsteilen um vor Ort Ansprechpartner zu haben. Heute würde man von einer dezentralen kundenahen Organisation sprechen. Diese Struktur ist bis heute erhalten geblieben, auch wenn es immer schwerer fällt in den Ortsteilen Versammlungen abzuhalten, weil keine Gaststätten oder sonstige Versammlungsräume vorhanden sind. Auch die Musterpflanzungen wurden über alle Ortsteile verteilt, besonders hervorzuheben ist der Ruhl’sche Garten der für vielfältige Obstbauversuche(Düngung, Spritzung, Schnittmaßnahmen, Bodenpflege) genutzt wurde.

Die Vorstandschaft hat schnell erkannt, dass nur gemeinsam mit Gleichgesinnten der Verein stark wird und sich bereits 1913 dem Landesverband für Gartenbau angeschlossen. Die Mitgliedschaft im Landesverband für Vogelschutz und im Landesverband für Seidenbauer taucht erst Ende der 20er Jahre auf. Inwiefern in Burgebrach Seidenraupenzucht betrieben wurde ist nicht bekannt. Es gibt nur einen Hinweis auf eine Maulbeerhecke von Christian Henninger Burgebrach aus dem Jahre 1941. Ob er selbst Seidenraupen gezüchtet hat oder ob es nur ein Versuchsanbau war konnte nicht geklärt werden. In den 30er Jahren förderte der Staat die Seidenraupenzucht. Die Seide wurde speziell für Fallschirme gebraucht.

 

Vereinsvorstände

1907-1920  Johann Gerber

1920-1931  Josef Rauh

1931-1982  Alois Schmidt

1982-1985  Hans Schwab

1985-2009  Vitus Beck

2009-         Wilfried Ulbrich

Man kann feststellen, dass wenige Vorsitzende den Verein steuerten und sicher voran brachten. Auffällig ist die über 50 Jahre währende Vorstandschaft von Alois Schmidt, ein besonderer Glücksgriff für den Verein, der als Bezirksfachberater für Gartenbau die besten fachlichen Voraussetzungen und Beziehungen hatte um den Verein sicher durch die Kriegswirren zu führen. Langjährige Verdienste hatten auch die 2.Vorsitzenden Johann Panzer(1959-1979), Andreas Bickel(1979-2002) und Wilfried Ulbrich(seit 2002). Auch bei Schriftführer und Kassier stand Beständigkeit im Vordergrund. Über 4 Jahrzehnte füllte diese Posten die Familie Bäumler, in Personalunion, aus. Erst Josef Bäumler bis 1945 und dann seine Frau von 1945 bis 1982. Ab 1982 hat Leo Dumrauf den Schriftführerposten und 1983 Bernhard Ruß die Kasse übernommen. Auch hier ist bis heute Kontinuität. Wichtig waren immer die Vereinsvertreter/in (Obmänner) in den einzelnen Ortsteilen, die voll in der Vorstandschaft eingegliedert waren und sind.

Mitglieder

Wie bei jedem anderen Verein fiel und stieg die Mitgliederzahl und in vielen Vorstandssitzungen ging und geht es um die Werbung von neuen Mitgliedern. Zwar sagt die Zahl der Mitglieder nichts über die Tätigkeit eines Vereins aus, aber doch etwas über die mögliche Breitenwirkung. War man 1932 bestrebt die 50 Marke zu erreichen, so hat man später die100er, die 200er und jetzt sogar die 300er Mitgliederzahl im Visier. Hier nun einige Zahlen der letzten 100 Jahre:

 

1932 -> 32 Mitglieder

1938 -> 54 Mitglieder

1941 -> 79 Mitglieder

1950 -> 79 Mitglieder

1957 -> 148 Mitglieder

1979 -> 109 Mitglieder

1981 -> 112 Mitglieder

1987 -> 190 Mitglieder

1994 -> 242 Mitglieder

2006 -> 263 Mitglieder

Beziehungen zu anderen Vereinen

Der Obst- und Gartenbauverein Burgebrach ist der älteste Verein in Burgebrach der sich um Garten, Feld und Landschaft gekümmert hat. Sein ursprünglich mehr wirtschaftlicher Charakter ermöglichte es den Mitgliedern über eine Sammelstelle, Essobst, Brenn- und Kelterobst, Grobgemüse, Waldbeeren, Pilze und Heilkräuter abzusetzen. Man beschickte die Märkte in Nürnberg, Bamberg, Ebrach und Kulmbach. Aus dem hiesigen Verein sind nach und nach die Nachbarvereine Ampferbach, Reichmannsdorf, Schönbrunn, Stappenbach, Steinsdorf, Vorra und Zettmannsdorf hervorgegangen. In den 30er Jahren entstand aus dem Obst- und Gartenbauverein heraus der Imkerverein Burgebrach.

Aus dem Gartenbauverein ist auch der Heimat und Verschönerungsverein entstanden dessen Schwerpunkt die Heimatkunde und die Orts- und Landschaftspflege ist. Diese Aufgaben überschneiden sich sicherlich in manchen Punkten , aber es ist keine Konkurrenz, sondern gegenseitige Ergänzung. Man hat viele Dinge gemeinsam gemacht. War doch Alois Schmidt jahrzehntelang auch Geschäftsführer beim Heimat- und Verschönerungs Verein.

Hausgarten

Neben dem Erwerbsgartenbau, dem ersten Ziel des Vereins, stand auch der Hausgarten im Blickpunkt. Der Hausgarten war zunächst geeignet für intensiven Erwerbsanbau z. B. Beerenobst und Feingemüse, aber auch schmückendes Element für die Ortschaft. Bereits im Jahre 1929 haben über 5o Hausbesitzer an einer Blumenprämierung teilgenommen, 1950 wurde der Blumenschmuck von 400 Fenstern bei 65 Häusern bewertet und 1963 begutachtete man 800 Fenster. Im Jahre 1946 hat man eine Rosenschau geplant, die aber dann doch erst 1950 Zustande gekommen ist. Um diese Zeit hatten die meisten Menschen doch andere Sorgen. Auffällig ist, auch in schlechten Zeiten kümmerte sich der Verein um die Dorfverschönerung und Burgebrach hat daher bereits in den 60er Jahren an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teilgenommen, das 1998 zu Landesgold und Bundessilber geführt hat. Ein erheblicher Teil der Leistungen wurde vom Obst- und Gartenbauverein erbracht.

Solche Bewertungen fallen nicht vom Himmel, sondern sind der Lohn von vielen Besprechungen, Vorträgen und Exkursionen , die der Verein organisiert hat.

Landschaftspflege

Aus der Arbeit mit Pflanzen, der Kenntnis der Natur und des Wissens um die Bedeutung der Vogelwelt für das Gleichgewicht von Insekten hat man sich von Anfang an um Hecken und Bäume in der Flur gekümmert. In vielen Arbeitseinsätzen wurden Hecken und Bäume gepflanzt um eine natürliche Umwelt zu erhalten. Im Jahre 1931 wurde im Verein eine eigene Vogelschutzgruppe gegründet. Seitdem wird durch das Aufstellen von Nistkästen und deren Pflege versucht die Vielfalt der heimischen Vogelarten zu erhalten (über300 Nistkästen, jahrzehntelang betreut durch die Vogelschutzwarte Konrad Beringer, Heinrich Kunz und Thomas Endres). So ist es kein Wunder, dass im März 1956 unser damaliger 1. Vorsitzender Herr Schmidt bei der Hauptversammlung folgendes feststellt:

Mit Sorge verfolgt der Gartenbauverein die fortschreitende Flurausräumung . Laufend werden Einzelbäume abgeholzt, zudem Büsche und Hecken gerodet und abgebrannt. Auf dem Goldberg hat das Element Feuer in der verflossenen Woche viel Lebendiges vernichtet. Man muß sich wundern, dass Gemeinde, Geistlichkeit, Schule, Polizei usw. dagegen nichts einwenden.Leichten Herzens hat man im Herbst v.J. an der Ampferbacherstraße die Beseitigung des mächtigen Wildbirnbaumes gutgeheißen. Jetzt will das Straßenbauamt die schöne Linde der genannten Straße auch noch entfernen. Burgebrach ist dann wieder um 2 schöne Naturbäume ärmer. An der Försdorfer Straße ist ohne Grund ein alter Birnbaum entfernt worden, Übel zugerichtet ist zudem die vor dem Bahnübergang bestehende Hecke. n Burgebrach ist auf der gemeindeeigenen Flur seit 1948 kein Baum mehr gepflanzt worden, weder ein Obstbaum noch ein Wildbaum. Nicht viel besser ist es in den benachbarten Orten. Bedauerlicher ist, dass man in Unterneuses, im Zuge der Flurbereinigung landschaftspflegerische Maßnehmen abgelehnt hat.

Was heute mühselig und aufwendig wieder renaturiert wird, war damals Einigen bewusst und Vielen wurde es gesagt, aber die vermeintliche Wirtschaftlichkeit hat vieles glattgebügelt zum Nachteil der Natur. Dies hat sich in den folgenden Jahrzehnten noch verstärkt fortgesetzt in der Flurbereinigung.